Vorbeugender Blitzschutz


Vorbeugender Blitzschutz bedeutet, die Informationen �ber ein nahes Gewitter und eine bevorstehende Blitzentladung fr�hzeitig zu nutzen um geeignete Ma�nahmen zur Sicherung von Personen und Objekte rechtzeitig einleitet zu k�nnen. Dabei vervollst�ndigt der vorbeugende Blitzschutz nur die installierte Blitzschutzanlage. Er kann sie nicht ersetzen!


Der VDE hat die Anforderungen in der Norm DIN EN 50536 [6] unter dem Namen "Blitzschutz - Systeme zur Gewitterortung" zusammen gefasst. Die deutsche Norm ist als Entwurf am 11.01.2010 erschienen und der �ffentlichkeit zur Pr�fung und Stellungnahme vorgelegt worden.


Nach dieser Norm wird f�r folgende Situationen eine Fr�hwarnung �ber heranziehende Gewitter dringend empfohlen:

  • f�r Personen im freien Gel�nde, bei der Verrichtung ihrer Arbeit, in der Landwirtschaft oder beim Sport- oder anderen Gro�veranstaltungen
  • f�r sensible Schutzger�te wie Computer, elektronische Steuerungen, Alarm- und Sicherheitssysteme
  • f�r Gefahrg�ter mit hohem Unfallrisiko wie explosionsgef�hrdete Stoffe, Gifte und radioaktive Materialien
  • f�r Technik zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung wie Telekommunikation, Energieversorgung und Gesundheitswesen
  • f�r Infrastruktur wie Flugh�fen, Schifffahrt, Bahnh�fe, Schranken, Tunnel und Br�cken

In Amerika ist etwa jeder f�nfte Blitztote auf einem Golfplatz gestorben. Am 27. August 2006 sind durch einen Blitzschlag bei einer Flugshow in der N�he von K�ln zwei Personen schwer und 16 weitere Personen leicht verletzt worden. Mit einem vorbeugenden Blitzschutz sind solche Unf�lle vermeidbar. Ein Teil der oben genannten Norm zur Gewitterortung besch�ftigt sich mit der Risiko-Absch�tzung f�r Menschenleben und Verletzungen. Jeder Veranstalter von Ereignissen mit Personen unter freiem Himmel sollten diese Risiko-Identifizierung gewissenhaft durcharbeiten.


Der korrekte vorbeugende Blitzschutz besteht immer aus zwei Teilen:

  1. der fr�hen Erkennung von heranziehenden Gewittern sowie
  2. den Aktivit�ten zum Schutz der zu sch�tzenden Personen und Objekte.

Fr�herkennung von Gewitteraktivit�ten


Die effektivste Methode zur Gewitter-Erkennung ist die Messung des elektrischen Feldes. Systeme, die auf magnetische Messungen basieren, ben�tigen einen Stromfluss der erst bei der Entladung entsteht - dann ist es f�r eine Fr�herkennung aber schon zu sp�t. Die klassische Methode zur Messung von elektrischen Feldern benutzt einen Rotationsvoltmeter, auch Feldm�hle (engl. field mill) genannt. Die Konstruktion ist durch seine beweglichen Teile st�ranf�llig und verschlei�t. Neue Systeme nutzen �hnliche Mechanismen wie die Feldm�hle, ben�tigen aber keine beweglichen Teile mehr in der Konstruktion. Sie sind daher wesentlich robuster bei gleicher Genauigkeit.


Das elektrostatische Feld der Erde
Das elektrostatische Feld der Erde


Die Erde mit ihrer Atmosph�re kann als gro�er Kugelkondensator angesehen werden, dessen eine Platte die Ionosph�re bildet. Die Luft dort wird durch kosmische Strahlung ionisiert und damit leitf�hig gemacht. Die andere Platte des Kondensators bildet die Erdoberfl�che. Zwischen beiden Platten befindet sich ein elektrisches Feld, das sich st�ndig �ndert. Bei sch�nem Wetter mit wolkenlosem Himmel betr�gt dieses Feld etwa 100-300 V/m - je nach Lage und Umgebung. In der Gewitterwolke findet eine Ladungstrennung durch die Luftmassenbewegung statt, sodass unter einer Gewitterwolke leicht Felder von 25.000-30.000 V/m entstehen k�nnen. Bei Erreichen dieser Werte treten die ersten Blitze auf und sorgen f�r einen kurzzeitigen Ladungsausgleich.


Die Feldlinien (Bild oben) des elektrischen Feldes verlaufen senkrecht zur Erdoberfl�che. Die �quipotentialfl�chen (Bild unten) verlaufen parallel zur Erdoberfl�che. H�user, B�ume und Menschen haben Erdpotential und verzerren die �quipotentiallinien. �ber den Spitzen dieser Objekte kommt es zu erh�hten Feldst�rken. Sie bieten damit auch den bevorzugten Weg und Einschlagpunkt f�r den Blitz.


Verzerrung der �quipotentiallinien im elektrischen Feld der Erde durch Geb�ude und Personen
Verzerrung der �quipotentiallinien im elektrischen Feld der Erde durch Geb�ude und Personen


Da der elektrische Widerstand der Luft als Dielektrikum mit der H�he �ber der Erde abnimmt, ist auch die St�rke des elektrischen Feldes nach oben hin geringer. Sie ist stark schwankend und betr�gt bei sch�nem Wetter in H�hen von 10 km etwa 4 V/m und in 30 km nur noch etwa 0,3 V/m.


Gewitterwarnsystem


Der Verlauf eines Gewitters ist �ber die Beobachtung der elektrischen Ladung der Luft leicht zu erkennen. F�r den vorbeugenden Blitzschutz eines Unwetterwarnsystems ist die Messung der elektrische Ladung der Luft geeignet, weil sie schon vor dem ersten Blitz Informationen �ber den weiteren Verlauf liefert. Dieser Verlauf kann grob in vier Phasen aufgeteilt werden.


Blitzentladung im Gewitter: Phase 1 Blitzentladung im Gewitter: Phase 2 Blitzentladung im Gewitter: Phase 33 Blitzentladung im Gewitter: Phase 4
Phase 1:
Die Ladungstrennung kann in Erdn�he durch Messung der elektrischen Feldes erkannt werden, bevor der erste Blitz erschienen ist.
Phase 2:
Nach der erkennbaren Ladungstrennung tritt die erste Blitzentladung statt. Die ersten Entladungen treten in fast allen F�llen innerhalb einer Wolke auf.
Phase 3:
Nach den ersten Blitzen im Wolkeninneren folgen zus�tzlich die Blitzentladungen zur Erde. Das ist die Phase der gr��ten Gewitteraktivit�t.
Phase 4:
Nach dem Gewitter l�st sich auch das erh�hte elektrische Feld wieder auf.

Die Messung des elektrischen Feldes in der Luft erfolgt durch einen Sensor. Er arbeitet nach der FCES-Technologie (Field-Controlled Electrometic Sensor) und muss an einer Stelle installiert werden, an der das elektrische Feld m�glichst wenig beeinflusst werden kann. Das ist fern von B�umen, metallischen Konstruktionen oder Stromleitungen. Die Messungen sind unabh�ngig von der H�he, in der der Sensor installiert wird. Nach erfolgter Installation wird der Sensor bei sch�nem Wetter in dieser H�he geeicht. In der H�he findet man aber leichter eine geeignete Umgebungen f�r den Sensor.


Installation des Sensors und Verbindung zur Schnittstelle des Meldungssystems
Installation des Sensors und Verbindung zur Schnittstelle des Meldungssystems


Auswertung und Umsetzung der Messdaten


Die Information �ber den aktuellen Zustand des elektrostatischen Feldes der Erde alleine gen�gt noch nicht. Die Messwerte m�ssen entsprechend ausgewertet werden und an einer Schnittstelle zum Meldungssystem weiter geleitet werden. Zus�tzlich sorgt diese Schnittstelle daf�r, dass der Sensor immer mit Strom versorgt wird und er speichert die gemessenen Daten f�r sp�tere Auswertungen ab. W�hrend der Sensor unter freiem Himmel installiert werden muss, wird die Schnittstelle im geschlossenen Raum aufgestellt. Das Verbindungskabel muss daher durch einen Durchbruch nach Au�en gef�hrt werden. Die gesamte Verbindung sollte nicht l�nger als 25 m sein. In Ausnahmen sind Leitungsl�ngen bis zu 100 m m�glich.


An der Schnittstelle zwischen Sensor und Meldungssystem kann der aktuelle Status der Gewitterentwicklung beobachtet werden. Dort werden auch die Schwellwerte f�r die Alarmierung eingestellt. Typische Schwellwerte sind:


�bliche Schwellwerte des elektrostatischen Feldes f�r eine Alarmierung
Alarmstufe Wert des elektrischen Feldes Meldung
Level 1 < 3 kV/m keine Meldung
Level 2 3 bis 4 kV/m erh�hte Aufmerksamkeit
Level 3 4 bis 7 kV/m Alarm
Gewitter > 7 kV/m h�chste Gefahr

Alarmgebung �ber das Meldungssystem


Die Alarmgebung ist stark abh�ngig von zu sch�tzenden System, Geb�ude oder Personengruppe. Wichtig dabei ist immer, dass der Alarm verz�gerungsfrei und an mehreren Stelle gleichzeitig erfolgen muss. Sofern Personen auf den Alarm reagieren m�ssen, muss unmissverst�ndlich aus dem Alarm die weitere Vorgehensweise erkennbar sein. Gerade bei Gewittern wird oft der Schutz vor dem starken Regen von den Betroffenen wichtiger angesehen. Unterstellen unter B�umen, Zelten oder anderen D�chern ohne Blitzschutz kann Lebensgef�hrlich sein! Alarmpl�ne sind n�tzlich, aber werden oft vergessen oder fehl interpretiert. Besser ist immer eine kurze und direkte Handlungsanweisung. Nicht zuletzt sollte die Alarmierung protokolliert werden, um sp�tere Streitigkeiten kl�ren zu k�nnen.


  • direkte Ausf�hrung: Ansteuerung von Jalousien, Markisen, Fenster-Steuerungssystemen bis hin zum Einfahren von Antennen sind m�glich.
  • einfache Signale: Hupen, Sirenen, Blink- und Rundumleuchten habe das Problem, dass die Signale von den betroffenen Personen verstanden und richtig interpretiert werden m�ssen.
  • �ffentliche Nachrichten: Durchsagen �ber Stadionlautsprecher oder Telefonanlagen, Anzeigetafeln - auch hier muss die Nachricht f�r jeden unmissverst�ndlich gegeben werden.
  • direkte Nachrichten: �ber E-Mail oder SMS k�nnen verantwortliche Personen wie Netzwerk-Administratoren, Maschinenfahrer oder Werkstattleiter automatisch benachrichtigt werden, die dann die notwendigen Ma�nahmen einleiten k�nnen.
  • Softwareschnittstellen: zur beliebigen Weiterverarbeitung des Alarms sowie zur Protokollierung angefallener Daten.

Schnittstellen f�r Meldungssysteme beim vorbeugenden Blitzschutz m�ssen nach der gew�hlten Alarmierung ausgew�hlt werden und gegebenenfalls um weitere Schnittstellen erg�nzt werden.


Fazit


Systeme zum vorbeugenden Blitzschutz m�ssen genau geplant und implementiert werden. Sie sind dann aber eine wesentliche Hilfe beim Schutz von Personen und Objekten vor Gewitter und Blitzsch�gen. Die M�glichkeiten zur Auswertung der gewonnenen Voraussagen sind nahezu grenzenlos. Gerade in Situationen, in denen viele Menschen sich unter freiem Himmel befinden, sollte diese M�glichkeit genutzt werden. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass der vorbeugende Blitzschutz nur eine Erg�nzung und kein Ersatz f�r die installierte Blitzschutzanlage ist.


Sensor und Meldungssystem f�r Gewitter-Fr�hwarnungen


AT-Storm V2 Sensor zur Gewitterfr�herkennung Sofern es mit �berschaubaren Mitteln m�glich ist, Menschenleben zu sch�tzen, sollen sie eingesetzt werden. In den gewitterreichen Sommermonaten werden viele Veranstaltungen im Freien durchgef�hrt, bei denen eine Risikobewertung nach EN 50536 eine absolute Notwendigkeit der Installation eines Fr�hwarnsystem ergibt. Der AT-Storm Sensor mit Meldungssystem bildet die Grundlage f�r ein stabiles und sicheres Fr�hwarnsystem.

... weiter zu den Schutzschaltungen



Gütesiegel:


Buchempfehlung:

beim Verlag bestellen

Copyright © 2004 - 2025 Brieselang.NET, Rotkehlchenstr. 2, 14656 Brieselang, Tel: 0172 1030360
Home Home | Impressum Impressum | Datenschutz Datenschutz | AGB AGB